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    Gesänge und Musik vergangener Zeiten hörbar gemacht

    22.03.2017

    Prof. Armin Stock ist Psychologe und Leiter des Adolf-Würth-Zentrums für Geschichte der Psychologie. Was sich hinter dem Zentrum und der Arbeit von Prof. Stock verbirgt, erfragen wir im Interview

    Foto: Privat, Prof. Armin Stock an einer Bauprobe

    Prof. Stock, das Zentrum gibt es noch nicht so lange. Wie ist es entstanden?

    Die psychologiehistorische Sammlung, die seit 2009 in Würzburg ist, wurde als Folge von Empfehlungen der Mittelstraß-Kommission durch Zielvereinbarungen des Wissenschaftsministeriums mit der Universität Würzburg von der Universität Passau hierher verlagert. Die Sammlung selbst wurde Anfang der 80er Jahre von Prof. Werner Traxel an der damals noch ganz jungen und experimentierfreudigen Universität Passau begründet und später von Prof. Horst Gundlach fortgeführt, bevor ich als sein Nachfolger die Verantwortung dafür übernahm.

     

    Was sind die Schwerpunkte des Zentrums?

    Das Zentrum beherbergt eine von weltweit insgesamt zwei Sammlungen zur Geschichte der wissenschaftlich orientierten Psychologie ab etwas der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf einem umfangreichen Apparatebestand von mehreren tausend psychologiehistorischen Objekten. Dieses Kulturgut muss kontinuierlich gepflegt werden, wozu das Zentrum eine eigene Restauratorin hat.

    Hinzu kommt die wissenschaftliche Forschung mit den Apparaten, die von einfachen Verständnisfragen ihrer Funktionsweise und ihres Einsatzes bis hin zur Replikation bedeutender Experimente mit den Originalapparaten reicht.

    So haben wir beispielsweise vor ein paar Jahren die epochemachenden und bis heute weltweit sehr bekannten Experimente des Gestaltpsychologen Max Wertheimer (1880-1943) zur Bewegungswahrnehmung weitgehend mit seinen eigenen Apparaten replizieren können und sind dabei ziemlich exakt 100 Jahre nach ihrer Erstpublikation zu praktisch identischen Ergebnissen gelangt. Dies zeigt, wie sorgfältig Wertheimer bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gearbeitet hat.

    Es ist daher auch eine Aufgabe des Zentrums als Korrektiv der Geschichtsschreibung zu dienen. Immer wieder erreichen uns aus dem In- und Ausland Anfragen zu inhaltlich voneinander abweichenden historischen Tatbeständen, wie man sie nicht selten in unterschiedlichen Publikationen finden kann. Wir versuchen dann sofern möglich an Primärquellen die historische Wahrheit herauszufinden und damit Fehler in der Geschichtsschreibung zu beheben.

    Neben der Arbeit mit den Apparaten verfügt das Zentrum über zahlreiche Nachlässe bedeutender Psychologen, wie z.B. demjenigen von Hermann Ebbinghaus (1850-1909), dem ersten Gedächtnispsychologen, oder auch dem Nachlass von Carl Stumpf (1848-1936), der 1873 bereits im Alter von nur 25 Jahren eine Philosophie-Professur an unserer Universität erhielt und später zu einem der bedeutendsten Psychologen an der Universität Berlin wurde.

     

    Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

    Wie bei den meisten Kollegen ist auch mein Arbeitsalltag ein gutes Stück weit durch administrative Aufgaben gefüllt. Häufig muss ich mich dabei auch mit juristischen Fragen zu Urheber- und Nutzungsrechten, zum Archivrecht sowie zu Persönlichkeits- und Datenschutzrechten befassen.

    Oft muss im Einzelfall geklärt werden, ob z.B. eine Rundfunkanstalt Film- und Bildmaterial unserer Sammlung nutzen darf oder ob das wissenschaftliche Interesse eines unsere Einrichtung nutzenden Forschers gewichtiger einzustufen ist, als eventuell zu beachtende Persönlichkeitsrechte.

    Hinzu kommt das Abschließen von Verträgen bei Schenkungen oder auch bei Leihgaben für andere Ausstellungen. Ein anderer Schwerpunkt ist die Organisation der Arbeitsabläufe beim Erschließen von Nachlässen. Die dazu notwendigen finanziellen Mittel müssen in der Regel durch Spenden eingeworben werden, sodass ich auch Zeit mit Fundraising verbringen muss.

    Hinzu kommen Lehrveranstaltungen für die Studierenden der Psychologie, Führungen für ca. tausend Besucher im Jahr, darunter die meisten aus den USA, und wenn dann noch Zeit ist, kann ich mich den eigentlich spannenden Dingen zuwenden: der psychologiehistorischen Forschung, dem Publizieren und dem Gestalten und Organisieren neuer Ausstellungen, wozu das Fundraising intensiviert werden muss und wiederum viele rechtliche Fragen zu bedenken sind, denn Ausstellungen sind öffentliche Präsentationen.

     

    Sie unternehmen auch Zeitreisen, z. B. im Rahmen Ihrer Entdeckung der Wachswalzen. Für alle, die den 3Sat - Beitrag nicht gesehen haben - was hat es damit auf sich?

    Die uns Ende letzten Jahres geglückte Digitalisierung unserer Wachswalzenbestände war wahrlich ein kleines historisches Abenteuer, denn wir haben uns das dazu notwendige Wissen selbst aneignen müssen und alle Gerätschaften bis hin zur Abtastnadel selbst zusammengestellt. Als es dann endlich klappte, war es schon eine große Belohnung, die Gesänge und Musik vergangener Zeiten hören zu können.

    Was unsere Geschichte für die Medien so reizvoll machte, war vermutlich das Faktum, dass wir mit viel Forschergeist, Neugier und primitiven Mitteln eine Lösung entwickelt haben. Wir hätten das alles auch teuer einkaufen können, aber dazu fehlten uns die Mittel und beim Selbstmachen lernt man einfach am meisten. Der Hintergrund der Digitalisierung der Wachswalzen ist unsere aktuelle Ausstellung "Carl Stumpf (1848-1936) und die Anfänge der Gestaltpsychologie".

    Carl Stumpf hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin das Phonogramm-Archiv begründet, welches heute zum Memory of the World der UNESCO gehört. Bis etwa 1920 hatte er mehr als 10tsd. Wachswalzen mit den Gesängen und der Sprache unterschiedlichster Ethnien gesammelt, darunter viele, die es heute nicht mehr gibt.

     

    Was würden Sie Studierenden raten, die einen ähnlichen Berufsweg einschlagen möchten, wie Sie?

    Wenn ich meinen Werdegang retrospektiv betrachte, so ist erkennbar, dass die Psychologiegeschichte immer ein wesentlicher Teil davon war, sodass es mir jetzt völlig selbstverständlich erscheint, dass ich darin mein wissenschaftliches Zuhause gefunden habe.

    Versetze ich mich jedoch ein viertel Jahrhundert zurück und erinnere mich, wie ich damals meine Zukunft prospektiv gesehen habe, so war das für mich bei weitem nicht so klar und es waren eher Dritte, die teilweise recht frühzeitig erkannt haben, wohin die Reise mit mir gehen wird. Ich selbst habe mich häufig von Neugier und Interessen leiten lassen und selbst bei den Dingen, die einen zunächst nicht so sehr interessiert haben, habe ich die Erfahrung gemacht, dass fast alles interessant und spannend wird, wenn man anfängt, sich intensiver damit auseinanderzusetzen.

    Die Psychologie bietet hier eine besonders große Spielwiese, da es nicht nur historisch sondern auch aktuell unglaublich viele Vernetzungen mit anderen Wissenschaften gibt. Mein Ratschlag an die Studierenden ist zunächst einmal der, möglichst neugierig und wissensdurstig zu sein. Ab und zu sollte man auch mal darauf achten und hören, wie andere einen wahrnehmen.

    Als ich anlässlich der Feier zum dreißigjährigen Bestehen des Abiturs mit einer ehemaligen Mitschülerin sprach und ihr erzählte was ich jetzt mache, sagte sie nur: "Das passt, Du warst schon in der Schule so veranlagt".

     

    Und zuletzt, weil Sie mit zu denjenigen gehören, die mit ersten Gedanken zu einem Alumni-Netzwerk begonnen haben - warum ist ein Alumni-Netzwerk wichtig für die Universität?

    Als die Idee zum Aufbau eines Alumni-Netzwerks an unserer Universität entstand, war ich zunächst erstaunt darüber, dass es das noch nicht gibt. Kein Alumni-Netzwerk zu haben, wäre der Verlust eines immensen Potentials. Es liegt in der Natur der Sache, dass man sich innerhalb einer Gruppe hilft und wir Alumni sind die Gruppe derjenigen, die an der Universität Würzburg studiert haben und ihr vieles verdanken.

    Was liegt also näher als sich dadurch verpflichtet zu fühlen, zueinander zu stehen. Noch schöner fände ich es freilich, wenn dieser Gedanke des Miteinanders über die eigene Alumni hinaus auch mit anderen Alumni völlig selbstverständlich würde und Länder- oder Kulturgrenzen dabei keinerlei Rolle spielten. Eine wissenschaftliche Gemeinschaft kann aus meiner Sicht nur international gedacht werden. Kulturen sind dabei bereichernd und nicht Grenzen ziehend.

    Als nächste Schritte wären vielleicht Partnerschaften mit anderen Alumni in anderen Ländern denkbar und als ein auf diesem Gebiet noch unbewanderter Historiker würde es mich interessieren, ob es nicht schon früher einmal ein Alumni-ähnliches Netzwerk an der Universität Würzburg gegeben hat. Bei unserer langen Geschichte würde mich das nicht überraschen.

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