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    Prof. Dr. Damian Dombrowski - Warum man sich mit Echter Auseinandersetzten muss

    10/12/2017

    Prof. Dr. Dombrowski studierte Kunstgeschichte mit den Nebenfächern Romanistik und Politikwissenschaft an den Universitäten Würzburg und Münster. Von 1988 bis 1989 war er Redakteur bei Radio Vatikan, Rom. Von 1990 bis 2008 schrieb er als Freier Mitarbeiter für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und ab 2008 für die Süddeutsche Zeitung, München. Seit 2014 Direktor der Neueren Abteilung des Martin von Wagner Museums.

    Julius Echter Auststellung

    Foto: Privat

    Sie haben sich intensiv mit der Person Julius Echters von Mespelbrunn beschäftigt. Welcher Charakter hat sich für Sie herausgeschält?

    Der eines nüchternen, klar kalkulierenden, systematisch planenden Politikers! In fast allem, was er der Nachwelt hinterlassen hat, sehen wir nämlich – das hat sich mir immer deutlicher abgezeichnet – mehr den Fürsten als den Bischof vor uns. Seine Handlungen folgten den Geboten der Realpolitik. Selbst die Ausweisung der Protestanten war nicht religiös motiviert, sondern ein Ergebnis der Staatsräson – konfessionelle Gegensätze in der Bevölkerung waren eine Quelle des Unfriedens. Wie hart die Einzelschicksale auch waren, die fürstbischöfliche Katholisierungspolitik stimmte vom rechtlichen Standpunkt mit dem Augsburger Religionsfrieden überein, verdichtet in der Formel „cuius regio, eius religio.“

    Echters Sachlichkeit mag späteren Generationen kalt oder gar unbarmherzig erschienen sein. Doch sie bewahrte ihn immerhin davor, sich von einer immer stärker fanatisierten Stimmung anstecken zu lassen, die sich in Europa wie ein Flächenbrand ausbreitete. So wissen wir seit kurzem, daß in den vierundvierzig Jahren seiner Herrschaft in Würzburg nicht eine einzige Hexe verbrannt worden ist, was unter den deutschen Residenzstädten – den katholischen wie den evangelischen – vielleicht sogar einen Rekord markiert. Sich den Hexenwahn zueigen zu machen, hätte auch gar nicht zu Echters rationaler Persönlichkeit gepasst, oder sagen wir besser: zu seiner rational begründeten Agenda, die ihn auch davon abhielt, dem eigenen leidenschaftlichen Temperament (das durchaus aufblitzen konnte) zu sehr die Zügel schießen zu lassen. Ohne Frage war er ein Autokrat. Gerade darin aber zeigt sich seine Modernität, sein Herrschaftsverständnis stand in völligem Einklang mit den überall in Europa vernehmlichen Bestrebungen des frühen Absolutismus.

    Alle diese Aussagen betreffen freilich weniger die Person Echters als vielmehr die Rolle, die er als geistlicher und weltlicher Fürst eingenommen hat. Nach dem „Charakter“ gefragt, muß man wohl ehrlicherweise antworten, dass dieser schlicht nicht ergründet werden kann – zu sehr war die Person mit der Rolle verschmolzen. Was er wirklich dachte, behielt er für sich, was er an Kunst sammelte, entsprach einem normierten Anspruchsniveau. Allenfalls den hohen Stellenwert, den er der caritas einräumte, lässt uns in seine Seele blicken. Die Fürsorge für die Armen, Kranken und Bedrängten hat ihn offenbar im Innersten umgetrieben und muss in diesem Umfang einem individuellen Bedürfnis entsprungen sein. 

    Warum sollte man sich näher mit Julius Echter beschäftigen?

    Neben der – wenn ich das so sagen darf ­– ‚Option für die Armen’ trat unter Echter die Option für die Kultur. Von der rigorosen Sparpolitik, die er dem Hochstift Würzburg verordnete, um einen immensen Schuldenberg abzubauen, hat er Kunst, Wissenschaft und Bildung in auffälliger Weise ausgenommen. Diesen Bereichen war die Ausstellung „Julius Echter Patron der Künste“ im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg gewidmet, die erstmals die ganze Breite seiner Kulturförderung dargestellt hat.

    Bei der Vorbereitung hat es uns immer wieder beeindruckt, wie die vielfältigsten Erscheinungsformen des geistigen und künstlerischen Lebens immer wieder Julius Echter selbst zurückführten – wie sehr er der Motor der kulturellen Erneuerung war. Was trieb ihn an? Als Fürstbischof hatte ein völlig heruntergekommenes Herrschaftsgebiet übernommen, seine Aufgabe bestand in nichts weniger als darin, ein Staatswesen neu zu begründen. Offenbar hatte er früh erkannt, dass ohne Ästhetik keine Ethik zu haben war (und damit auch keine Staatsethik). Daraus scheint Echter den Schluss gezogen zu haben, dass seine Herrschaft notwendiger Weise nach einem ästhetischen Gesicht verlangte. Mit diesem Prozess lohnt die Beschäftigung, auch wenn – oder gerade weil – heute gern zuerst an der Kultur gespart wird, weil sie als etwas ‚Zusätzliches’ angesehen wird, und selten zu erkennen ist, dass Regieren nach Formen verlangt.

    Während der Vorbereitungen der Echter-Ausstellung ist uns zunehmend klar geworden, wie sehr die Vorleistungen, die unter Julius Echter erbracht worden sind, der späteren Barockstadt Würzburg den Weg gewiesen haben. Insofern ist die Auseinandersetzung mit dem Bauherrn und Urbanisten Julius Echter für alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt von Interesse. Angehörige der Universität – ob ehemalige oder aktuelle – haben erst recht allen Grund, sich mit dem Gründer der Alma Julia auseinanderzusetzen. Er war auch hier die treibende Kraft, nicht zuletzt auch beim Bau des heute als Alte Uni bezeichneten Kolleggebäudes. Im europäischen Vergleich steht die Geschwindigkeit, mit der diese schlossartige Anlage emporwuchs, einzigartig da. Mit dem Bau der römischen Sapienza, die sicherlich anregend gewirkt hat, war zwar früher begonnen worden (nämlich wenige Jahre vor dem Besuch des jungen Echter in Rom); er zog sich aber ein ganzes Jahrhundert hin, während die Würzburger Universität in gerade einmal acht Jahren vollendet wurde. Die Tatkraft, die dafür den Ausschlag gab, ist auch heute noch ein Faszinosum sondergleichen.

     

    Buchtipp

    Zur Ausstellung Julius Echter Patron der Künste. Konturen eines Fürsten und Bischofs der Renaissance ist im Deutschen Kunstverlag ein umfangreicher Katalog erschienen (ca. 424 Seiten mit 643 Abbildungen), herausgegeben von Damian Dombrowski, Markus Josef Maier und Fabian Müller. Hardcover, 24 x 30 cm. Preis: 49,90 €. Der Katalog wird im Museum verkauft, wo er auch bestellt werden kann, ist aber auch über den Buchhandel erhältlich.

    ISBN 978-3-422-07408-8

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