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    Infektionskrankheiten erforschen und Therapieansätze entwickeln

    10/16/2017

    Prof. Jörg Vogel hat Biochemie an der Humboldt-Universität in Berlin und am Imperial College in London studiert. Nach der Promotion im Jahr 1999 ging er bis 2001 an die Universität Uppsala in Schweden. Danach forschte er als Fellow der Europäischen Molekularbiologie-Organisation an der Hebrew University in Jerusalem und leitete eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut in Berlin, bevor er als Direktor des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie an die Universität Würzburg wechselte. Im Jahr 2017 hat er den Leibniz-Preis erhalten und ist außerdem Gründungs-Direktor des neuen Helmholtz-Instituts an der Universität Würzburg. Dort sollen Infektionskrankheiten erforscht und neue Therapieansätze entwickelt werden.

    Prof. Jörg Vogel (Mitte) mit Teamkollegen im RVZ, Uni Würzburg, Foto: Robert Emmerich

    Prof. Vogel, können Sie uns Ihre Forschung für Laien verständlich in kurzen Worten beschreiben?
    Ribonukleinsäure (RNA)-Moleküle transportieren die in den Genen enthaltenen Baupläne für Proteine und spielen auch bei der Synthese der Proteine eine wichtige Rolle. Diese zellulären Prozesse  werden oft von kleinen RNA-Moleküle reguliert. Das war zwar bekannt, aber nicht in dem Ausmaß. „Systematische Analysen haben mittlerweile gezeigt, dass die so genannte sRNA sowohl bei Bakterien als auch in höher entwickelten Zellen viel häufiger vorkommt als gedacht“, sagt Jörg Vogel. Das „s“ im Namen dieses RNA-Typs steht für „small“.

    Die Funktionen der sRNA untersucht sein Team mit Methoden der Biochemie, Genetik und Bioinformatik – mit intensivem Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und ihren Wirten. Ein Schwerpunkt liegt auf den Mechanismen mit denen kleine RNA-Moleküle Proteine oder andere RNA-Typen regulieren, insbesondere während im Verlauf von bakteriellen Infektionen.

     

    Warum haben Sie sich für Ihr Forschungsfeld entschieden?
    Weil ich die Infektionsforschung schon früh als aufstrebendes, dynamisches Forschungsfeld entdeckt habe. Sie wird aus meiner Sicht auch zukünftig sehr relevant bleiben. Dazu trägt auch unsere alternde Gesellschaft bei. Je mehr Operationen oder andere klinische Eingriffe, umso höher das Infektionsrisiko.

     

    Sie haben in Ihrer Zeit in Würzburg beachtliche wissenschaftliche Erfolge erzielt. Was ist Ihr persönliches Highlight?
    Unsere Publikation im Wissenschaftsmagazin Nature im letzten Jahr. Hier konnten wir zum ersten Mal die Genexpression von Salmonellen zusammen mit den infizierten Wirtszellen beschreiben. Damit hatten wir kurz nach meinem Umzug nach Würzburg im Jahr 2010 begonnen, es war ein zähes und langwieriges Projekt, aber eben auch ganz wichtig. Deshalb war das für mich ein besonders großer Erfolg.

     

    Haben Sie ein spezifiziertes wissenschaftliches Ziel für die Zukunft - falls ja, welches?
    Auf jeden Fall! Es ist ja bekannt dass die Bakterienflora im Darm des Menschen aus vielen hundert Spezies besteht, sie ist bei jedem Menschen individuell. Diese Zusammensetzung beeinflusst beispielsweise die Anfälligkeit für Infektionen. Uns fehlen momentan gute Werkzeuge, die Zusammensetzung der Darmflora gezielt zu beeinflussen. Mit einer Art RNA-Antibiotika könnte man dies zukünftig tun.

    Ihre Forschung beinhaltet auch gentechnische Veränderungen - welche Herausforderungen existieren hier möglicherweise vor dem Hintergrund der Gentechnik - Debatte?
    Die Gentechnik ist aus der Biomedizin nicht mehr wegzudenken. Viele Medikamente könnten ohne sie nicht so sicher und kostengünstig hergestellt werden. Das ist eine große Stärke der Gentechnik. Mit den Risiken der Gentechnik befasse ich mich in einer Arbeitsgruppe die die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) zum Thema Genome Editing eingerichtet hat. Es sollte uns Sorgen bereiten, wenn wir künstliche Genveränderungen irgendwann nicht mehr nachvollziehen können.

    Welche Eigenschaft sollte ein Forscher aus Ihrer Sicht unbedingt mitbringen?
    Ein Forscher muss für seine Forschung glühen. Offenheit für andere Ideen und Kritikfähigkeit gehören meiner Meinung nach unbedingt dazu. Ebenso eine gewisse Zähigkeit und die Bereitschaft, seine Wissenschaft nicht als Arbeit zu ansehen (lacht).

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