
Alumnus-Portrait „TeeSommelier Frank Stößel“ im Alumni-Newsletter 04/09
Herr Stößel, Sie sind Sonderschulrektor a.D., seit 2008 TeeSommelier und stammen aus einer richtigen Alumni-Familie.
Ja. Das kann man so sagen. Meine Mutter promovierte in Heidelberg, mein Vater war Privatdozent an der Universität Würzburg. Meine drei Geschwister haben wie ich an der Würzburger Uni studiert.
Wie wurden Sie als Sonderschulrektor ausgerechnet TeeSommelier?
Tee trinke ich schon seit meiner Kindheit gerne. Durch Zufall, bekam ich zu Beginn meines Ruhestands das Angebot zur Ausbildung als TeeSommelier und stellte fest, dass diese Tätigkeit ausgezeichnet zu meinen bisherigen Vorlieben passt. Da habe ich nicht lange gezögert. Im Januar 2008 habe ich meine Prüfung vor der IHK Bonn-Sieg abgelegt und mich anschließend gleich in die Arbeit gestürzt.
Braucht man als TeeSommelier nicht auch Erfahrung in Handel und Gewerbe?
Natürlich. Schon während meines Studiums habe ich in den Semesterferien als junger Familienvater regelmäßig als Werkstudent gearbeitet. Diese Einblicke in Industrie, Handel und Handwerk waren ein Glücksfall für meine spätere pädagogische Arbeit. Ob als Friedhofsgärtner, in der Fabrik oder im Handel, es hat mir immer Spaß gemacht. Meinen Schülern konnte ich dadurch aus eigener Erfahrung authentisch das Berufs- und Arbeitsleben näher bringen.
Für meine Ausbildung zum TeeSommelier waren Praktika in einer Teefabrik und in einem Teegeschäft eine angenehme Herausforderung.
War die Arbeit als TeeSommelier anfangs nicht schwierig?
Ja. Als erster TeeSommelier in Bayern betrat ich Neuland und musste mir erst einmal einen Kundenstamm für Teeseminare aufbauen. Inzwischen werde ich von Kindergärten, Schulen, Vereinen, Senioreneinrichtungen, Kaufhäusern und Teegeschäften gebucht. Mit etwa vierzig Veranstaltungen in den zwei zurück-liegenden Jahren bin ich recht zufrieden. Mehr sollte es auch für einen Ruheständler nicht unbedingt werden.
Was macht ihre Freude am Tee aus?
Die Liebe zur Natur, nicht nur zur Teepflanze, die mir meine Eltern mitgegeben haben. Deshalb konnte mich mein Schwiegervater leicht für die Imkerei gewinnen. Über das Thema Bienenweide gelangt man zwangsläufig zu den Nutzpflanzen, zu denen die Teepflanze ebenso gehört wie die vielen Pflanzen, aus denen wir Kräuter- und Früchtetees gewinnen. Diese botanische Vielfalt drückt sich auch in der Teekultur der Welt aus. Das ist so spannend, weil es immer etwas Neues gibt.
Frank Stößel ist auch Wasserwächter - was hat diesem Amt mit dem Tee zu tun?
Als 2.Vorsitzender des Arbeitskreises Brunnen in Zell a.M. mache ich regelmäßig Führungen im Natur- und Trinkwasserschutzgebiet der WVV, im Bürgerbräustollen und im Wassermuseum. Dabei weise ich auf Achtsamkeit gegenüber unserem Trinkwasser hin, eines der kostbarsten Güter, die wir haben. Weil man ohne unser gutes Trinkwasser keinen guten Tee zubereiten kann, passt die Beschäftigung mit dem Trinkwasserschutz hervorragend in mein Tee-Konzept.
Warum haben Sie eine Baumpatenschaft für eine Teepflanze im Botanischen Garten übernommen?
Aus Liebe zu den Pflanzen bin ich auch Mitglied in der Siebold-Gesellschaft und im Förderverein proplanta des Botanischen Gartens. Für beide Vereine mache ich sehr gerne Teeseminare mit Verkostung, wobei immer Botanik, Verarbeitung des Tees und die internationale Teekultur thematisiert werden. Weil uns der Botanische Garten schon einige Male die Teepflanze Camellia sinensis für unsere Seminare ausgeliehen hat, habe ich mit meiner Frau diese Patenschaft auch aus Dankbarkeit gerne übernommen. Mit unserer Spende wollen wir auf das großartige Bildungsangebot des Botanischen Gartens aufmerksam machen und die Bürgerschaft zu Spenden anregen, mit denen man wiederum wertvolle Projekte finanzieren kann.
Wie kamen Sie darauf, ein Naturmuseum im Mozart-Areal oder auf dem Hublandgelände vorzuschlagen?
1990 habe ich als damaliger Kreisvorsitzender der Imker Würzburg auf der LGS einen Lehrbienenstand aufgebaut und dies zum Anlass genommen, um auf das 1945 zerstörte Fränkische Museum für Naturkunde in der Residenz aufmerksam zu machen. Durch meine Kontakte zu „Alumnus“ Prof. Dr. Gerhard Kneitz vom Naturwissenschaftlichen Verein sowie zu Institutionen, Natur- und Umweltschutz-verbänden schwebte mir damals schon so eine Art „Konsortium Naturae“ für die Wiedererrichtung dieses Naturmuseums vor.
Gerade aus meiner 40-jährigen Erfahrung als Naturkundelehrer und ehrenamtlich tätiger Naturschützer weiß ich, wie wichtig neben kunstgeschichtlichen Museen ein naturhistorisches Museum in unserer Region wäre und wie stark sich Kinder und Erwachsene für die Natur begeistern können. Das kann man bei den beliebten Naturmuseen in Bamberg, Coburg, Gotha, Erfurt oder Jena ja gut beobachten. Eigentlich gehört heute in jede Region ein gut erreichbares Natumuseum.
Wie wollen Sie ein Naturmuseum realisieren?
Da muss man in kleinen Schritten vorgehen und das von Studierenden wie Professoren der Universität aus dem Naturwissenschaftlichen Verein gegründete
und 1945 zerstörte „Fränkische Museum für Naturkunde“ durch eine öffentliche Veranstaltung wieder ins Gedächtnis der Würzburger zurückholen.
Dazu können Fotos und ein Aufsätze von Gerhard Kneitz zum Besichtigungsgang von 1938 beitragen.
Etwa sechzig Ausstellungsräume des ehemaligen Naturmuseums in der Residenz kann man da bestaunen; einige gerettete Exponate von damals existieren noch verstreut über die Stadt.
Schließlich haben wir naturwissenschaftlich relevante Exponate bis hin zur modernsten Forschung in Physik, Biologie und Medizin in Würzburg, die man in ein modernes Naturmuseum ebenso integrieren kann wie die Bienen oder den Weinbau. Diese Schätze gilt es zu heben und einmal in einer Übersicht zusammen zu tragen.
Geburtshilfe für das Bekannt machen dieser Idee könnte eine Ausstellung über „Kunstwelten der Natur“ von Ernst Heckel sein, der auch ein Alumnus unserer Uni war. Er hat hier als Mediziner über den Flusskrebs promoviert und gilt als „deutscher Darwin“.
Vielleicht kann man so aus der Bürgerschaft Sponsoren für ein „Naturmuseum Mainfranken“ entweder im Mozart-Areal oder auf dem Hubland in Zusammenarbeit mit Universität, Stadt und Bezirk gewinnen.
Dazu würde ich liebend gerne gemeinsam mit den Alumni und Zeitzeugen des Naturmuseums Gerhard und Hermann Kneitz und Elmar Ulrich als auch mit Professoren unserer Universität und Vertretern von Stadt und Naturschutz ins Gespräch kommen, um diese „Ernst-Heckel-Ausstellung“ zu organisieren. Dazu biete ich gerne den entsprechenden Rahmen bei einem gepflegten Tee an.
Welchen Tee würden Sie uns zur Weihnachtszeit empfehlen?
Ich empfehle gerne Tees wie einen First Flush Darjeeling als „Festtagstee“ oder einen weißen Tee „Weiße Weihnacht“ aromatisiert mit Orangen- und Jasminblüten passend zum Weihnachtsgebäck oder für die Feiertage auch einmal einen kräftigen „Ostfriesischen Sonntagstee“, bei dem man Kluntjes und Wölkchen dazu gibt, so dass es so richtig gemütlich wird. Möchte man etwas für die ganze Familie, dann eignet sich „Rooitea“ auch aromatisiert, weil er als „Kräutertee“ kein Koffein enthält. Mit etwas Rapshonig gesüßt, ist dieser Rooibosh ein Hochgenuss sein. Etwas Verführerisches hat auch ein „Weihnachtstee – Meistermischung“ mit Zimt, Gewürznelken, Orangenschalen und Mandelstückchen aromatisiert. Doch es gibt keine Regel, denn auch ein japanischer Grüntee wie der Sencha, den man auf keinen Fall süßen sollte, passt bei einem Festtagsessen ausgezeichnet zu vegetarischen Gerichten oder Fisch. Für die ganze Familie wieder passend ist Lemongras, auch ein Kräutertee, der kein Koffein enthält. Bei der riesengroßen Auswahl an Tee, Kräuter- und Früchtetees findet man bestimmt alleine unter den Saisontees etwas für den ganz individuellen Geschmack. Man kann sich auch selbst Teemischungen herstellen. Vielleicht hat jemand Lust auf „Weihnachtstee – Würzburger Alumnimischung“?