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    Thomas Pigor - Vom Chemiker zum Kabarettist

    05.08.2013

    Aktuell: Kabarettist Studium: Chemie

    Thomas Pigor, fränkischer Kabarettist (Foto: Privat)

    Herr Pigor, Sie haben in Würzburg Chemie studiert und abgeschlossen. Warum haben Sie dieses Fach ausgewählt?

    Chemie war ein klassisches Fehlstudium. Ich bin einer skrupellosen Berufsberaterin aufgesessen, die mich überredete, erstmal Chemie zu studieren um dann später auf mein angestrebtes Fach Medizin zu wechseln. Wozu es nie kam. Aber man brauchte damals Chemiker.



    Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Studium und Ihr Studentenleben, was hat Ihnen besonders gut gefallen?

    Das Chemiestudium war schon damals sehr verschult, ließ wenig Freiheiten und war sehr arbeitsintensiv. Am besten gefiel mir das letzte Jahr, in der physikalischen Chemie, als ich für meine Diplomarbeit etwas eigenständiger arbeiten durfte.

    Die Atmosphäre am Röntgenring bei Prof. Schneider war offener und kreativer, als in den in Laborsklaven-Galeeren-Schmieden am Hubland. Und ich hatte das Glück, tatsächlich einen Effekt zu finden: Wenn man Perchlorat in die Lösung kippte, wurde sie trüb. Daraufhin untersuchten wir die Wirkung von chaotropen Anionen auf Phospholipidvesikel. Was für ein wunderbares Wort: "chaotrop!"



    Inwiefern hat Sie Ihr abgeschlossenes Chemiestudium für den Kabarettistenberuf ausgebildet?
    Ein Pfund kritischer Rationalismus und die darauf basierende naturwissenschaftliche Methode ist wohl in beiden Berufen hilfreich. Auch Auswendig-Lernen-Können ist in beiden Berufen Gewinn bringend. Dem neuen Papst hilft seine Ausbildung als Chemietechniker vermutlich nur bei Letzterem weiter. War wohl auch ein Fehlstudium.



    Wir fragen uns seit einiger Zeit, warum ausgerechnet die Universität Würzburg so viele erfolgreiche Kabarettisten hervorgebracht hat. Haben Sie dafür eine Erklärung?

    Früher kam nie ein Kabarettist aus Franken. Grade mal Friedrich Rückert und Herbert Hisel. Beide humormäßig problematisch. Heute gibt es Legionen von unterfränkischen Kabarettisten! Wahrscheinlich holt die Region jetzt das nach, was sie in den Jahrhunderten zuvor versäumt hat. Innerhalb eines Jahrzehnts ist aus einem Kabarett-Nehmer-Land ein Kabarett-Geber-Land geworden. Und das ist auch ein Verdienst der Uni Würzburg: Offensichtlich ist Fehlstudium hier Programm.




    Sie leben in Berlin - was fasziniert Sie an dieser Stadt?

    Die Stadt ist vielfältig, tolerant, offen, inspirierend. Und - das hat Berlin jetzt mit Würzburg gemein - es gibt dort überall Orchinale. Und es gibt sogar Läden mit fränkischen Delikatessen, wie Kümmelbrot und weißer Preßsack. Und Preßsack ist überall faszinierend.



    Haben Sie ein Lebensmotto und falls ja, welches?

    Tut mir leid, ich habe kein Lebensmotto. Wenn ich mal ein Motto brauche, nehm ich mir eines, das auf die Situation passt. Ich kann mir sowohl sagen: "Augen zu und durch!" , als auch: "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!" Wenn´s schmeckt: "Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt was gschenkt!" Und wenn´s nicht schmeckt, dann halt: "Weniger ist mehr."

    Man könnte sagen: Typisch fränkisch. Andererseits enspricht das genau der Methode des kritischen Rationalismus: Wilde Hypothesen aufstellen, die sich mitunter sogar widersprechen, und dann gucken, ob sie der Realität Stand halten. Und wenn sie das nicht tun, taugen sie vielleicht ja für einen Lacher. 



    Vielen Dank für das Gespräch!

    Von Michaela Thiel

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