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    Rolf Lauer: "Handwerk - Ein unverzichtbarer Wirtschaftsbereich, der mit der Entwicklung auch im Zeitalter der Digitalisierung voll Schritt hält"

    30.11.2017

    Alumnus Rolf Lauer hat Betriebswirtschaftslehre an der Uni Würzburg studiert. Er ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

    Porträt Rolf Lauer

    Foto: Privat

    Herr Lauer, wie würde Ihre Wahl heute ausfallen – BWL-Studium oder Ausbildung? Die Absolventen des traditionellen akademischen Bildungsweges durchlaufen ihre Ausbildung vielfach fernab der realen Anforderungen einer Berufspraxis. Quasi unter Laborbedingungen und ohne Erfahrungswerte. Das erschwert oftmals den Übergang in die berufliche Wirklichkeit, weil das Verständnis einfach fehlt.

    Haben Sie eine berufliche Ausbildung vor dem Studium absolviert? Ich selbst wurde zwar in keinem Beruf ausgebildet, bin aber seit Kindesbeinen mit den Anforderungen des Berufsalltags vertraut: mein Vater war selbstständiger Handwerker. Dieser erhebliche Praxisbezug hat mir in meinem betriebswirtschaftlichen Studium sehr geholfen. Theoretische Zusammenhänge wurden viel klarer, die praktische Erfahrung hat mir den Eintritt ins Berufsleben deutlich erleichtert. Generell bin ich der Auffassung, dass eine dem Studium vorgeschaltete irgend geartete praktische Ausbildung  sowohl für das Studium wie auch für den Berufseinstieg erhebliche Vorteile bietet. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass diese Voraussetzung eine deutliche Verminderung der sehr hohen Zahl an Studienabbrüchen bewirken würde.

    Wie ist es dazu gekommen, dass der Handwerksberuf in Deutschland an Attraktivität verloren hat? Handwerk ist tatsächlich nicht unattraktiver geworden, sondern ist ohne eigenes Verschulden im Meinungsbild unserer Gesellschaft abgesunken. Über Jahrzehnte hinweg wurde mit Akribie der Irrglaube gepflegt, dass mit einem akademischen Abschluss automatisch ein höheres gesellschaftliches Ansehen, ein hohes Einkommen und ein geruhsames Arbeitsleben verbunden sind. Eine Scheinwahrheit. Die Folge ist, dass mehr als die Hälfte eines jeden Jahrgangs ein Studium aufnimmt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Schulabgänger wäre aber deutlich besser in einer beruflichen Ausbildung im dualen System aufgehoben.

    Wie sieht das Bild vom Handwerk heute aus? Das Problem ist sicher, dass die Attraktivität und die Karrieremöglichkeiten immer mehr an den Rand der Wahrnehmung gedrängt wurden. Trotz aller existenziellen Bedeutung wurde ihm ohne jeglichen realen Hintergrund der Anschein der verstaubten Überkommenheit  und der Perspektivlosigkeit zugeordnet. Allerdings hat das Handwerk lange Jahre versäumt seine, Modernität, Attraktivität, Nachhaltigkeit und hervorragenden Karrieremöglichkeiten ins rechte Licht zu rücken. Dabei braucht die Laufbahn eines Handwerkers keine Scheu vor der eines Akademikers haben. Mit einer Vielzahl von Aktionen ist das Handwerk aktuell dabei, diesen Nachholbedarf aufzuarbeiten und verzeichnet beste Erfolge auf diesem Weg.

    Was wird getan, um seine Attraktivität wieder zu steigern? Das Handwerk hat eine bundesweite Image-Kampagne gestartet, bei der es in erster Linie darum geht, mit überkommenen Einschätzungen aufzuräumen und das Handwerk so darzustellen wie es ist: Ein unverzichtbarer Wirtschaftsbereich, der mit der Entwicklung auch im Zeitalter der Digitalisierung voll Schritt hält. Ein Wirtschaftsbereich, der sich bei aller Modernität Kundennähe und Persönlichkeit bewahrt. „Handwerk – die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“

    Akademiker und Handwerker: Ein Widerspruch? In keiner Weise. Das Handwerk braucht Führungskräfte, die sowohl in der Theorie, wie auch in der  Praxis höchste Qualifikation nachweisen. Nicht von ungefähr ist im europäischen Qualifikationsrahmen die Meisterprüfung dem Bachelor-Hochschulabschluss gleichgestellt, und nicht von ungefähr qualifiziert die Meisterprüfung im Handwerk unbeschränkt zur Aufnahme eines Hochschulstudiums. Übrigens waren wir von der Handwerkskammer für Unterfranken der bundesweit beachtete Urheber und Wegbereiter für das Karriereprogramm Handwerk, mit dem wir Studienaussteigern die Möglichkeit einer Karriere als Führungskraft  im Handwerk bieten.

    Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Beruf? Die überaus große Vielfalt, die  Vielzahl an Anforderungen aus den unterschiedlichsten Bereichen in Theorie und Praxis. Als Vorgesetzter von 200 Mitarbeitern befindet man sich im permanenten Konflikt. Man muss den Bedürfnissen der Arbeitnehmer genauso gerecht werden, wie denen des Unternehmens. Man trägt in hohem Maß wirtschaftliche Verantwortung und ist Dienstleister für nahezu 19.000 Mitgliedsunternehmen, deren wirtschaftliche Interessen es zu fördern gilt. Man muss die Interessen des Handwerks auf kommunaler, regionaler, landes- und bundesweiter Ebene vertreten, ist Ansprechpartner für Unternehmen, Politik und alle Arten gesellschaftlicher Gruppierungen. Dies ist nur ein kleiner Einblick in die Aufgaben, die verantwortlich zu erfüllen sind.

    Was würden Sie Studierenden raten, die den Beruf des Geschäftsführers anstreben? Vorneweg: Eine gezielte Vorbereitung auf diesen Beruf auf der Grundlage einer detaillierten Karriereplanung erscheint kaum machbar. Zu vielfältig ist die Aufgabenbreite und man muss zu flexibel sein. Äußerst hilfreich sind jedoch fundierte, im Hochschulstudium erworbene Kenntnisse über betriebswirtschaftliche und juristische Zusammenhänge. Zusätzliche praktische Erfahrungen: Eine zusätzlich  absolvierte Berufsausbildung und/oder mehrjährige Basisarbeit erscheinen für ein erfolgreiches Bestehen in Spitzenfunktionen unverzichtbar.

    Was sollte man an persönlichen Eigenschaften für diesen Beruf mitbringen? Engagement, Fähigkeit zur Selbstkritik, Teamfähigkeit, Realitätsbewusstsein, Belastbarkeit und viele andere Eigenschaften sind, glaube ich, dringend notwendig. Diese kann man in toto kaum erlernen - man muss sie einfach mitbringen. Und dann braucht man auch noch ein Quäntchen Glück.

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