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    Prof. Ulrich Brückner - vom Studenten in Würzburg zum Professor in Stanford

    08.06.2017

    Nach einem Studium in Political Science, Deutscher Literatur und Geschichte, an der JMU, ist Prof. Brückner in den USA, China, Russland, Slowenien, der Türkei und der Slowakei als Visiting Prof. unterwegs. Heute ist er Jean-Monnet-Professor der EU in Stanford (Kalifornien).

    (Foto: privat)

    Ulrich Brückner hat es vom Studenten in Würzburg zum Professor in Stanford (Kalifornien) gebracht. Die Arbeit mit den Studierenden dort empfindet er als ein Privileg und Vergnügen.

    Was arbeiten Absolventen der Universität Würzburg? Um den Studierenden verschiedene Perspektiven vorzustellen, hat Michaela Thiel, Geschäftsführerin des zentralen Alumni-Netzwerks, ausgewählte Ehemalige befragt. Diesmal ist Professor Ulrich Brückner an der Reihe. Brückner hat an der Universität Würzburg Political Science, Deutsche Literatur und Geschichte studiert, bevor er nach Berlin gewechselt ist. Von 1999 an hat er als Visiting Professor in den USA, China, Russland, Slowenien, der Türkei und der Slowakei gelehrt. Er ist heute Jean-Monnet-Professor der EU in Stanford und arbeitet in Kalifornien und Berlin.

    Herr Professor Brückner, die Europäische Union ist Ihr Spezialthema – wohin geht die Reise denn? Es wäre unseriös, das vorherzusagen, denn es gibt zur Zeit mehr und gewichtigere Unwägbarkeiten, was die weitere Entwicklung Europas betrifft, als je zuvor seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft. Das gilt sowohl für Desintegrationskräfte im Inneren wie auch von Außen. Es kann aber ebenso dazu kommen, dass aus Sorge vor einem drohenden Zerfall und einer Gefährdung dessen, wofür die Union steht, eine besser funktionierende Gemeinschaft heraus kommt. Jedenfalls können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir von Europa Frieden, Wohlstand und Stabilität bekommen, weil das bislang immer so war.

    Viele sagen, die EU ist zu groß geworden und die Ost-Erweiterung überfordert die Union. Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich glaube nicht, dass es eine „richtige“ Größe für das Zusammenleben von Gesellschaften gibt. Belgien, Spanien, das Vereinigte Königreich oder Kanada bestehen aus weniger Teilen und trotzdem gibt es Momente in der Entwicklung dieser Staaten, in denen Teile davor stehen, sich zu verabschieden. Die USA bestehen aus viel mehr Staaten, und das funktioniert schon eine Weile ganz gut ohne Zerfallserscheinungen.

    Wie bewerten Sie denn die Erweiterung in Richtung Osten? Die Osterweiterung der EU war eine historische Leistung, weil sie souveränen Nationalstaaten erlaubte, „zurück nach Europa“ zu kommen, nachdem diese Länder durch den Eisernen Vorhang zwangsweise von ihrer „westlichen“ Kultur abgeschnitten waren. Das hat die Vielfalt in der EU und damit auch die Interessensgegensätze erhöht. Es hat aber zugleich auch bewiesen, dass die EU nicht nur eine kapitalistische Veranstaltung oder ein Club ist, dem Staaten aus reinem Nutzenkalkül beitreten, sondern dass sie für gemeinsame Werte steht und diese auch praktiziert. Seit den Römischen Verträgen vor 60 Jahren bestand die Einladung an alle „europäischen“ Staaten, Mitglied zu werden. Und damit war nicht Geographie gemeint, sondern eine Lebensweise, ein Bekenntnis zur offenen Gesellschaft und dass man sich einem bestimmten Rechts-, Wirtschafts-, Sozial- und Politischen System verpflichtet fühlt, ohne dabei seine Eigenständigkeit vollkommen zu verlieren.

    In welchem Land in Osteuropa, in dem Sie gearbeitet haben, sehen Sie den größten Wunsch nach europäischer Integration? Polen mit seiner aktuell sehr nationalistischen Regierung hat nachweislich eine ausgeprägt proeuropäische Bevölkerung, die verstanden hat, welch große Vorteile die Mitgliedschaft in einem geeinten Europa bringt, nicht nur finanziell, sondern auch kulturell, welche Lebenschancen und nicht zuletzt welches Mehr an Sicherheit.

    Ist das Arbeiten in den USA anders als in Deutschland? Ja, so wie es überall anders ist als in Deutschland. Was mir jedoch besonders auffällt: Es gibt in den USA eine grundsätzliche Freundlichkeit im Umgang, egal ob man sich kennt oder nicht und ob man das auch so meint, denn darum geht es in diesem Fall nicht. Das beginnt damit, dass nie sofort ein Anliegen vorgebracht wird, sondern immer zuerst eine Freundlichkeit ausgetauscht wird, selbst wenn es eilt.

    Macht sich das auch im Umgang mit Studierenden bemerkbar? Mit den Studierenden zu arbeiten ist in den allermeisten Fällen ein Vergnügen und Privileg, weil bei einer Ablehnungsquote von 95 Prozent wirklich nur die Besten genommen werden. Denen wird dann nicht nur erklärt, dass sie zu einer Elite gehören. Sie werden auch wie Kunden behandelt, die für die hohen Studiengebühren erwarten können, dass sie eine erstklassige Dienstleistung von der Universität erhalten. Und das betrifft alle Bereiche: die Professoren, die Mitstudenten, die Infrastruktur oder das Freizeitprogramm.

    Das Studium in den USA unterscheidet sich also deutlich von dem in Deutschland? Undergrad Education entspricht viel mehr dem Humboldtschen Bildungsideal als an deutschen Universitäten. Es geht nicht vom ersten Tag des Studiums an um eine spezialisierte Ausbildung. Vielmehr bekommen die jungen Menschen die Gelegenheit herauszufinden, was sie gut können, ihre Talente werden entdeckt und gefördert. Im Ergebnis nimmt der Arbeitsmarkt auch nicht so wichtig, was auf dem Zeugnis steht, sondern wo jemand studiert hat. Und darüber lässt sich die teure Ausbildung auch wieder refinanzieren. Andererseits bringt einen ein solches Lernumfeld auch auf andere Ideen, als solche, die einen viel Geld verdienen lassen.

    Was lieben Sie besonders an Ihrem Beruf? Die Freiheit, die damit verbunden ist und die ich weitergeben und vermitteln darf.

    Was würden Sie Studierenden, die einen ähnlichen Weg einschlagen möchten, raten? Sich die Zeit zu nehmen, die sie brauchen. Sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, um vermeintliche Erwartungen zu erfüllen. Dinge auszuprobieren.

    Stanford hat eine große Alumni-Community; deutsche Universitäten tun sich beim Aufbau solcher Netzwerke vergleichsweise schwer. Ein großer Teil der Milliarden, mit denen Stanford operiert, stammen von Alumni, die sich in hohem Maße mit ihrer Alma Mater identifizieren und der Universität materiell großzügig zurückgeben, was sie wegen ihrer Ausbildung im Leben erreichen konnten. Das ist ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells und lässt sich kaum mit den Bedingungen an deutschen öffentlichen Universitäten vergleichen.

    Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Würzburger Zeit? Meine Würzburger Zeit war glücklich. Speziell zu Beginn meines Studiums war alles richtig für mich dort, um eine solide Grundausbildung zu bekommen und überhaupt zu verstehen, was man in den Fächern tut, die ich mir ausgesucht hatte. Um Politik zu studieren war es aber sinnvoll, an ein großes Institut zu wechseln. Und dann hatte ich Glück, dass die beruflichen Möglichkeiten zu mir kamen, als die Mauer fiel, die Regierung umzog und die EU sich erweiterte.

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