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    Alumni Uni Würzburg - eine starke Gemeinschaft

    Dr. Wilfried Behl & Dr. Mike Okoronkwo - Waren ehemalige Zimmergenossen

    04.11.2013

    Aktuell: Rechtsanwalt (Behl) & Gynäkologe (Okoronkwo) Studium: Rechtswissenschaften (Behl) & Humanmedizin (Okoronkwo)

    Dr. Wilfried Behl & Dr. Mike Okoronkwo, Rechtswissenschaftler & Gynäkologe (Foto: Privat)

    Als Dr. Wilfried Behl im Sommersemester 1966 als Student der Rechtswissenschaften von seinem Auslandssemester an der Universität in Genf nach Würzburg zurückkam, zog er ins Internationale Haus in der Friedensstraße. Nicht in ein Appartement mit Küchenzeile und eigenem Bad – nein: Damals war es Brauch, dass Neulinge erst einmal in ein Doppelzimmer kamen. Und wenn ein Einzelzimmer frei wurde, rückte erst einmal derjenige nach, der am längsten im Doppelzimmer gewohnt hatte.

    Und so landete Wilfried Behl gemeinsam Dr. Mike Okoronkwo aus dem Volksstamm der Ibo in Nigeria in einem Zimmer. Obwohl sie dort nur circa vier Monate zusammenwohnten, war das der Grundstein zu einer Freundschaft, die bis heute andauert. Dr. Mike Okoronkwo hat mit einem deutschen Stipendium von 1966 bis 1972 in Würzburg Humanmedizin studiert. Er ist nach seiner Promotion und seiner Facharztausbildung zum Gynäkologen wieder nach Nigeria zurückgekehrt, um hier eine Klinik aufzubauen.

    Nach seinem 70. Geburtstag hat Dr. Okoronkwo im August 2012 Würzburg und dort seine frühere Uni besucht, die sein Lebenswerk in Afrika ermöglicht hatte, um sich für sein Stipendium in Deutschland zu bedanken, dass er über das frühere Akademische Auslandsamt und über deutsche Behörden erhalten hatte. Anlässlich dieses Besuchs haben wir unsere beiden Alumni getroffen und interviewt. Gemeinsam ist beiden, dass Sie in einer Umbruchsituation aktiv mitgestaltet haben.

     

    Herr Dr. Behl, was hat außer dem gemeinsamen Doppelzimmer zu Ihrer intensiven Freundschaft mit Dr. Mike Okoronkwo beigetragen?

    Ein wichtiger Aspekt war sicherlich die Tatsache, dass Mike aufgrund des Biafra-Krieges über einen langen Zeitraum überhaupt nicht wusste, wie es seiner Familie geht. Das hat uns auf eine besondere Art zusammengeschweißt, denn ich wurde zu einer Art festem Anker für ihn in dieser für ihn emotional sehr schweren Zeit.

     

    Sie sind nach einigen Jahren Berufstätigkeit als Richter in Würzburg unmittelbar nach der Wende als Ministerialrat ins Innenministerium Sachsen gewechselt. Warum und was war hier Ihre Aufgabe?

    Für mich hatte es einen unglaublichen Reiz, bei der Gestaltung der Rechtsordnung im neuen Bundesland aktiv mitwirken zu können. Als Wahlleiter, Referats- und stellvertretender Abteilungsleiter gingen die neu zu erarbeitenden Normen, Verordnungen und Verwaltungsgesetze alle erst über meinen Schreibtisch, bevor sie ins Kabinett und dann in den Landtag gingen. Weil wirklich alles neu war, ist das eine extrem spannende Zeit gewesen.

     

    Wie hat sich Ihr Leben mit dem Umzug nach Sachsen verändert?

    Natürlich war die Produktvielfalt anfangs noch sehr eingeschränkt. Zum Beispiel konnte man nur eine Brotsorte kaufen. Das Verhältnis zu den neuen Mitarbeitern war von Anfang an sehr herzlich. Es wurden zu Beginn sehr viele – auch private – Angelegenheiten besprochen, beispielsweise das Thema „Private Versicherungen“.

    Das Thema „Internationalität“ hat Wilfried Behl auch nach Beendigung seines Studiums nicht losgelassen. Er hat sich mit dem Staatsangehörigkeitsrecht befasst, dem Personenstands- und dem Meldewesen. Als Mitglied in der Verhandlungsdelegation Bayern und Sachsen mit den Nachbarstaaten Polen und Tschechien gehörten Verhandlungen zu Grenzverträgen und Wanderwegen ebenfalls zu seinen Aufgaben. Auch im Ruhestand ist Wilfried Behl noch oft in Dresden.

     

    Herr Dr. Okoronkwo, warum haben Sie sich damals für Würzburg entschieden?

    Meine Wahl ist aus zwei Gründen auf Würzburg gefallen. Erstens: Die Uni ist bekannt für ihre gute wissenschaftliche Arbeit, Forschung und Tradition. Zweitens: Würzburg ist eine sehr schöne Stadt.

     

    Was hat Ihnen hier besonders gut gefallen?

    Besonders gut hat mir die Unterstützung der deutschen Studenten gefallen, vor allem zu Beginn des Studiums. Die gute Zusammenarbeit und die kulturellen Veranstaltungen, bei denen wir uns vernetzen konnten und ich auch etwas von der deutschen Kultur kennen lernen konnte, waren wunderbare Erfahrungen. Außerdem habe ich Deutschland und seine Geschichte besser verstanden als vorher.

     

    Sie sind nach Ihrer Ausbildung nach Nigeria zurückgekehrt und haben eine Klinik aufgebaut. Was war dabei die größte Herausforderung?

    1979 bin ich nach Nigeria zurückgekehrt, um unseren Leuten zu helfen. Zuerst habe ich im städtischen Krankenhaus als Consultant gearbeitet, danach habe ich eine private Klinik aufgebaut.

    Da die Behandlungskosten für viele Patienten relativ hoch sind, bezahlen sie des Öfteren mit Naturalien. Erst vor kurzem hatte ich Besuch von einer Patientin, die ich vor zehn Jahren etwa behandelt hatte und die nun die Behandlungskosten bezahlen wollte.

     

    Wie würden Sie Ihr Heimatland beschreiben - wie ist Ihr Leben dort im Vergleich zu Deutschland?

    Nigeria ist ein Entwicklungsland. Aber das Leben ist auch schön hier. Die Leute sind mit meiner Arbeit zufrieden und sie respektieren mich.

     

    Haben Sie ein Lebensmotto?

    Mein Lebensmotto ist Innovation, Creativity and Change.

     

    Vielen Dank für das Gespräch!

    Von Micheala Thiel

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