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    Dr. Michael Schneider - Ein Leben mit Raubtieren

    06.09.2010

    Aktuell: Sachverständiger Für Raubtierfragen Studium: Biologie

    Dr. Michael Schneider, Sachverständiger für Raubtierfragen für die Regierung der Provinz Västerbotten (Foto: Privat)

    Michael Schneider hat Biologie an der Universität Würzburg studiert und an der schwedischen Partneruniversität Umeå promoviert. Heute arbeitet er als Sachverständiger für Raubtierfragen für die Regierung der Provinz Västerbotten, der zweitgrößten und zweitnördlichsten der schwedischen Provinzen, die etwa so groß wie Bayern ist. Michael Schneider ist dafür verantwortlich, die Arbeit mit den Großraubtieren zu strukturieren und weiter zu entwickeln.



    Sie haben in Würzburg Biologie studiert - können Sie uns kurz schildern, wie Ihr Werdegang nach dem Abschluss war, bzw. wie Sie nach Schweden gekommen sind?

    Ich habe im Sommer 1988 an einer tierökologischen Exkursion nach Schweden teilgenommen und dabei Kontakt mit Prof. Christian Otto am Institut für Tierökologie an der Uni Umeå aufgenommen. Schwedisch hatte ich bereits vorher in einem Abendkurs von Austauschstudentinnen aus Umeå in Würzburg gelernt. Otto bot mir eine Stelle als Diplomand an. Die Finanzierung des Aufenthalts musste ich selbst organisieren. Dies gelang mir dann über das Akademische Auslandsamt der Uni Würzburg und über das Austauschprogramm zwischen den beiden Universitäten, innerhalb dessen ich ein Stipendium von der Uni Umeå bekam. Mein Plan war, für neun Monate nach Umeå zu gehen, um meine Diplomarbeit zu schreiben. Aber dann brauchte mein Betreuer, Lauri Oksanen, Doktoranden in seinem Forschungsprojekt, und so bin ich nach meinem Diplom dann im Norden hängen geblieben.



    Wie würden Sie Ihren Job beschreiben?

    Ich bin dafür verantwortlich, die Arbeit mit den Großraubtieren zu strukturieren und weiter zu entwickeln. Ich befasse mich vor allem mit strategischer Planung, der Kooperation mit verschiedenen Projekten in der naturwissenschaftlichen und der gesellschaftswissenschaftlichen Forschung, der Zusammenarbeit mit Kollegen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene (vor allem Finnland, Norwegen, Wales, Wyoming), Informationseinsätzen, dem Kontakt mit Medien und der internen Ausbildung von Mitarbeitern. Ich unterrichte auch an den beiden Universitäten in Umeå. Wenn ich mich im Zuge meiner Arbeit im Wald und auf der Flur befinde, dann meistens um Berichte über Raubtierbeobachtungen zu kontrollieren oder um mehr über die Lebensweise der Räuber zu erfahren.



    Mit welchen Tieren arbeiten Sie genau?

    Ich arbeite vor allem mit fünf Arten: dem Braunbär, dem Vielfraß, dem Luchs, dem Wolf und dem Steinadler. Diese fünf stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil sie Rentiere und auch andere Haustiere fressen und weil sie zum Teil und unter gewissen Umständen auch dem Menschen gefährlich werden können. In der Provinz Västerbotten haben wir zurzeit etwa 300 Braunbären, 200 Luchse, 100 Vielfraße, ein paar vereinzelte Wölfe und 200 Steinadler. Neben den Großraubtieren arbeite ich auch noch etwas mit Fledermäusen, der Zwerggans, der Ringelrobbe und dem Fischotter.



    Haben Sie einen besonderen Liebling unter diesen Tieren?

    Mein absoluter Liebling unter den Tieren Schwedens ist der Unglückshäher. Unglückshäher sind possierliche, kluge, erfinderische und gar nicht scheue Tiere, die mir gerne einen Besuch am Lagerfeuer im Wald abstatten. Sie tauchen ganz unvermutet auf, wie kleine fliegende Kobolde, um im nächsten Augenblick auch schon wieder zu verschwinden. Sie sind wunderschön mit ihrem Federkleid in warmen, rotbraunen Tönen. Sie leben am liebsten in großen, alten Wäldern und kommen mit der modernen Forstwirtschaft nicht so gut zurecht.



    Wie gefällt Ihnen das Leben in Schweden, in einer anderen Kultur? Was Sind für Sie die größten Unterschiede und Herausforderungen?

    Das Leben in Schweden ist super. Es gibt wenig Leute, viel Platz und viel Natur. Die Kulturen Schwedens und Deutschlands sind recht ähnlich, so dass der Kulturschock nicht allzu groß gewesen ist.

    Besonders fällt auf, dass die Hierarchien in der Gesellschaft und an den Arbeitsplätzen nicht sehr stark ausgeprägt sind. Sogar die Regierungspräsidentin wird geduzt. Man versucht immer, einen Konsensus zu finden und zieht niemanden über den Tisch. Kaffeetrinken ist überall eine wichtige Angelegenheit. Das Schulsystem in Schweden ist kinderfreundlicher als das deutsche, mit viel Platz für Individualität.

    Die Schweden sind sehr offen für andere Kulturen. Fremdenfeindlichkeit erlebe ich vereinzelt höchstens, wenn mein ausländischer Hintergrund von Raubtiergegnern als Argument gegen meine Arbeit mit Großraubtieren herangezogen wird. Eine solche Argumentation wird allerdings von meinen Kollegen, von der schwedischen Gesellschaft im Allgemeinen und auch von den allermeisten Raubtiergegnern aufs Schärfste verurteilt.

    Allerdings muss ich sagen, dass die Diskussionen über Raubtiere in Schweden nicht ganz so hohe Wogen schlagen wie die um den Bären Bruno in Bayern. Es war schon interessant, den Diskussionen um diesen einen Bären zu folgen, wenn man selber so um die 300 Bären zu verwalten hat, zusammen mit ein paar hundert Luchsen, Vielfraßen, Wölfen und Steinadlern.

     

    Vielen Dank für das Gespräch!

    Von Michaela Thiel

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