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    Dr. Jürgen Buchner - Man sieht ihn nicht aber man hört ihn

    03.03.2014

    Aktuell: Universitätscarilloneur Studium: Rechtswissenschaften, Musikwissenschaften & Musikpädagogik

    Dr. Jürgen Buchner, Unversitätscarilloneur (Foto: Privat)

    Man sieht ihn nicht aber man hört ihn doch und zwar jeden Mittwoch am Carillon der Universität. Unversitätscarilloneur Dr. Jürgen Buchner gibt jeden Mittwoch zwischen 17:30 und 18:00 Uhr ein Konzert, zu welchem sich viele Zuhörer im Innenhof der Alten Universität versammeln.

    Auf Initiative des früheren Universitätskanzlers Bruno Forster wurde das Instrument im Jahre 2005 von der Königlichen Glockengießerei Petit en Fritsen im niederländischen Aarle-Rixtel eingerichtet. Seitdem bietet die Universität als einzige Universität Deutschlands die Möglichkeit, dieses in Deutschland seltene Instrument zu erlernen.

    Jürgen Buchner erhielt seine Ausbildung an der Königlichen Glockenspielschule "Jef Denyn" im belgischen Mechelen. In Würzburg hat er zudem Rechtswissenschaft, Musikwissenschaft und Musikpädagogik studiert, ist Mitglied der Uni-Alumni und der Juristen-Alumni und als Jurist am Bischöflichen Ordinariat in Würzburg tätig.

     


    Herr Dr. Buchner, Sie spielen das Carillon hoch über den Dächern Würzburgs, im Turm der Neubaukirche. Wie haben Sie Ihre Liebe zu diesem außergewöhnlichen Instrument entdeckt?

    Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses "Aha-Erlebnis". Ich habe an einem Sonntagnachmittag, ich meine, es war das Jahr 1982, auf BR 3 einen 45-minütigen Fernsehbeitrag mit dem Titel "Glocken in Flandern" angeschaut. Der damalige Direktor der Glockenspielschule von Mechelen hat die Geschichte des Instruments erläutert und auf dem Carillon der Sankt Rombouts Kathedrale von Mechelen einige Musikstücke gespielt.

    Das hat mich so sehr begeistert, dass ich mir vornahm, irgendwann das Carillonspielen zu erlernen. Dass daraus ein Studium in Mechelen wurde, habe ich damals natürlich noch nicht ahnen können.

     


    Die Glocken des Carillon der Universität Würzburg wiegen insgesamt 3,5 Tonnen. Sind das besonders schwere Kaliber?

    Mit einem Glockengewicht von ca. 3,5 Tonnen gehört das Würzburger Carillon in Deutschland zu den schwereren Instrumenten. In Europa kann man es als mittelschweres Instrument einordnen. Die größten und schwersten Carillons stehen allerdings in den USA. John D. Rockefeller war übrigens ein großer Fan des Carillons und hat für die Riverside-Kirche in New York das mit 101 Tonnen schwerste Carillon der Welt gestiftet.

    Die größte Glocke wiegt alleine 20 Tonnen. Dicht gefolgt wird dieses Instrument vom Carillon der University of Chicago, welches ein Glockengewicht von 98 Tonnen aufweist und ebenfalls von John D. Rockefeller gestiftet wurde. Unser Würzburger Carillon kann, wenn auch kleiner, aufgrund seiner 51 Glocken alle Kompositionen für Carillon darstellen, ohne dass man Veränderungen am Notentext vornehmen muss.

     


    Müssen Sie besonderen Sport betreiben, um das Carillon zu spielen, bzw. die schweren Glocken zu bewegen?

    Wenn man über eine gute Ausbildung (die ist in Mechelen auf jeden Fall gewährleistet) und damit über eine gute Spieltechnik verfügt, dann ist ein Carillonkonzert nicht mehr und nicht weniger anstrengend als ein Konzert auf einem anderen Instrument. Kräftezehrend ist da eher schon der weg, welchen man zum Instrument zurücklegen muss. In Würzburg kann man Gott sei Dank vier Stockwerke mit dem Aufzug bewältigen und muss dann nur noch etwa sechs Stockwerke Treppen steigen. In Mechelen sind es aber beispielsweise 450 Treppenstufen bis zum Instrument. Ich habe aber auch schon in den Niederlanden ein Instrument  gespielt, wo man die  Höhe von etwa fünf Stockwerken mittels zweier Stahlleitern bewältigen musste. Mindestens genauso wichtig wie die Fitness ist daher, keine Höhenangst zu haben.

     


    Im Film "Willkommen bei den Sch´tis" spielt das Carillon bzw. dessen Spieler eine der Hauptrollen. Existieren solche romantischen Geschichten auch im wahren Leben der Carilloneure?

    Nach einem meiner Mittwochskonzerte kam einmal ein Herr auf mich zu und erzählte mir, er sei unlängst in der benachbarten Theresienklinik operiert worden und zum Klang des Carillons aus der Narkose aufgewacht. Da habe er gewusst, dass er die Operation gut überstanden habe und das habe sehr beruhigend auf ihn gewirkt. Das hat mich sehr gefreut.

     


    Welches Musikstück spielen Sie am liebsten auf dem Carillon?

    Mein absolutes Lieblingsstück ist das Impromptu in F von Léon Henry. Ich habe diese Komposition bei der von mir schon erwähnten Fernsehsendung gehört und ich kann sagen, dass mich dieses Stück zum Carillonspielen gebracht hat. Daher habe ich es auch während meines Abschlussexamens in Mechelen gespielt. So hat sich für mich der Kreis geschlossen.

     


    Sie haben sich bereit erklärt, uns zum fünfjährigen Alumnifest ein persönliches Geschenk zu spendieren. Ab 18:30 Uhr wird man Sie im Innenhof der Neubaukirche hören. Verraten Sie uns - was werden Sie spielen?

    Da es sich um einen Festakt handelt, halte ich die "Feuerwerksmusik" von Händel in einer Bearbeitung meiner amerikanischen Kollegin Beverly Buchanan für diesen Anlass angemessen. Außerdem werde ich meine "Variationen über Gaudeamus Igitur" spielen, welche ich für mein Abschlussexamen in Mechelen komponiert habe. Schließlich werde ich noch ein Arrangement des "Prince of Denmark's March" des englischen Komponisten Jeremiah Clarke spielen.

     


    Vielen Dank für das Gespräch!


    Von Michaela Thiel

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