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    Dr. Dagmar Fügmann - Promovierte über "Zeitgenössischen Satanismus"

    02.08.2010

    Aktuell: Institut für Philosophie Studium: Religionswissenschaften

    Dr. Dagmar Fügmann, Religionswissenschaftlerin (Foto: Privat)

    Dagmar Fügmann hat bei Professor Norbert Klaes promoviert. Sie ist an der Philosphischen Fakultät II der Universität beschäftigt. Für Ihre Dissertation zum Thema „Zeitgenössischer Satanismus“ erhielt sie im Oktober 2008 den Kulturpreis Bayern und im 2009 den Beatrice Edgell-Preis der Philosophischen Fakultät II.



    Mit ihrer Dissertation liefert die Religionswissenschaftlerin Einblicke in die religiöse Biografie und Praxis, Weltbild und Wertvorstellungen satanischer Gruppierungen. Frau Fügmann, wie sind Sie auf das Promotionsthema „Zeitgenössischer Satanismus“ gekommen?


    Durch ein Seminar über die Frage nach dem Ursprung des Bösen kam ich dazu, unter anderem Literatur über Satanismus zu untersuchen. Dabei fiel mir auf, dass viele Schilderungen nicht der Realität entsprechen konnten.  Deshalb schrieb ich bereits meine Magisterarbeit zum Themenbereich Satanismus und Gewalt.

    Meinem Doktorvater gefiel die Arbeit wohl so gut dass er einverstanden war, als ich mich in meiner Dissertation ebenfalls mit dem Thema Satanismus auseinandersetzen  wollte.  Dies habe ich dann in die Tat umgesetzt und verschiedene satanistische Gruppierungen aber auch gruppenunabhängige Einzelne untersucht.



    Als Laie stellt man sich satanistische Riten klischeehaft blutig, geheimnisvoll und erotisch vor. Wie sehen satanistische Praktiken wirklich aus – soweit man dies generell sagen kann? Muss man Angst vor Mitgliedern einer satanistischen Gruppe haben?

    Generalisiert lässt sich wenig über satanistische Ritualistik sagen. Jede Gruppe hat eigene Rituale, viele Gruppenunabhängige entwerfen wieder ihre je eignen Riten. Allerdings hat keines der mir bekannten Rituale etwas mit Blut und dessen Verwendung im rituellen Kontext zu tun. Teilweise spielen erotische Aspekte eine Rolle, etwa wenn der Körper einer Frau oder eines Mannes als Altar dient.

    Angst muss man vor Mitgliedern einer satanistischen Gruppe genauso viel oder wenig haben wie vor jedem anderen Mitbürger. Satanismus macht ein Mitglied ebenso wenig zum blutrünstigen Gewaltverbrecher wie die die Zugehörigkeit zu anderen weltanschaulichen Gemeinschaften. Allerdings präferieren einige Satanisten eher sozialdarwinistisches Gedankengut – wobei ich nicht behaupten möchte, dass die Zahl der bekennenden Sozialdarwinisten im satanistischen Kontext höher liegt als in anderen sozialen Gruppen.

     

    Sie haben über das Thema geforscht und in diesem Zusammenhang sicherlich Praxiserfahrungen gesammelt. Wie sind Sie in die den verschiedenen Gruppen aufgenommen worden?

    Zu Beginn der Forschung sehr vorsichtig und eher verhalten, da (Beispielsweise durch die durchgängig negative Berichterstattung zum Thema) ein grundsätzliches Misstrauen gegen Außenstehende besteht. Erst nach Monaten der Auseinandersetzung miteinander und des regelmäßigen Kontakts öffnete sich „die Szene“ für mich. Dann wurde ich sehr interessiert, höflich, herzlich und offen von den meisten Kontaktpersonen aufgenommen.

    Unterscheiden sich Weltbilder und Wertvorstellungen von Satanisten grundlegend von den allgemeinen Wertvorstellungen unserer Gesellschaft/anderer Religionen? Wie sehen diese aus?

    Im Unterschied zu z.B. christlichen Idealvorstellungen in Bezug auf Gesellschaft betonen satanistische Ansätze wie erwähnt zum Teil eher sozialdarwinistische Gedanken und wünschen sich bestimmte Formen von stratifizierten Gesellschaften. Jeder soll durch eigene Leistung und Fähigkeit über die eigene Schichtenzugehörigkeit „bestimmen“. Die meisten der von mir untersuchten Präferenzen bezüglich Wertvorstellungen von Satanisten unterscheiden sich jedoch kaum von jenen, welche repräsentative Umfragen für Deutschland feststellen.

     

    Konnten Sie feststellen, welche Gesellschaftsschichten besonders „satanisten-affin“ sind?

    Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung interessiert sich ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Personen mit Abitur oder Hochschulabschluss für satanistisches Gedankengut. Eine besondere Affinität zu bestimmten Fachgebieten scheint nicht zu bestehen, jedoch sind viele Satanisten im Bereich "Kunst" tätig. Die meisten von mir beforschten Satanisten sind selbständig und eher erfolgreich.



    Vielen Dank für das Gespräch!

    Von Michaela Thiel

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